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Eine Reise durch Portugal

Lissabon, Lisboa, immer wieder war mir dieser wohlklingende Name begegnet und hatte mich verzaubert. Im Geschichtsunterricht, in der Deutschstunde, so genau weiß ich es nicht mehr. Was ich damals lernen sollte oder vielleicht auch gelernt habe, ist längst vergessen. Aber ohne dass ich jemals weiter südlich gekommen war, als nach Zürich, zauberte mir dieses Wort eine ganz neue Welt. Ich roch den Duft des Meeres, den Duft der Kräuter des Südens, ich hörte den Wind am Strand pfeifen. Ich sah Wälder und Hügel, ganz anders, als ich sie kannte. Und dies alles, die Bilder, die Töne und der Geruch setzte sich in mir fest. Wurde zum Traum einer Welt, die auf mich wartete und die mich nie wieder los ließ.

Inzwischen war ich endgültig erwachsen geworden. Hatte eine Ausbildung gemacht, eine gute Arbeitsstelle gefunden und mich nach oben gearbeitet. Hatte eine Familie gegründet, einen Sohn gezeugt und einen Apfelbaum gepflanzt. All das getan, was ein Mann tun sollte. Und doch ließ mich dieser Traum nicht los. Irgendetwas rief nach mir, zog mich Richtung Süden mit aller Gewalt. Unsere Urlaube waren bisher immer nach Norden gegangen. Zum einen, weil die Anreise von Hamburg aus näher war, zum andern, weil die ganze Familie lieber zwischendurch in einen Regenmantel schlüpfte, als bei 40 Grad im Schatten zu schwitzen. Nie hatte ich sie überzeugen können, mich einmal Richtung Süden zu begleiten. Aber der Traum im Kopf ließ nicht locker und ein Mann muss eben tun, was ein Mann tun muss.

Portugal

Portugal ©iStockphoto/Sean Pavone

Also beschloss ich im reifen Alter von 47 Jahren, die Familie sich selber zu überlassen und endlich die schon so lange überfällige Reise nach Portugal anzutreten. Ich warf alle „Reife“ über Bord, erinnerte mich an das Zauberwort Lisboa, packte das Nötigste in einen Rucksack, löste ein Flugticket und trat zum ersten Mal in meinem Leben einen absolut spontanen Urlaub ohne irgendwelche Planungen und Vorbereitungen an.

Einchecken, nicht ganz zweieinhalb Stunden Flug und ich war da. So nah war der ferne Traum mir immer gewesen. Ich konnte es fast nicht glauben, ich war im Traum meiner Jugend gelandet. Die Luft flimmerte in der Hitze, nur der Geruch war eher der von Kerosin, nicht viel anders als beim Abflug in Hamburg. Aber das würde sich noch ändern, da war ich mir sicher. Mit dem nächsten Bus fuhr ich ins Zentrum dieser schönen Stadt. In einem Straßencafé mit Blick auf die Bucht bestellte ich mir erst mal einen Kaffee und genoss das Gefühl, es endlich geschafft zu haben. Morgen würde ich mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ansehen. Das Grab Vasco da Gamas im Hieronymus-Kloster, den Torre de Belém, direkt an der Tejomündung, die Kathedrale, ich würde sehen. Zuerst brauchte ich eine Übernachtungsmöglichkeit und so suchte ich mir ein kleines Hotel, saß dann später wieder am Tejoufer im Restaurant Ponto Final und schwelgte in portugiesischen Spezialitäten. Kaum konnte ich mich vom Klang der vorbei plätschernden Wellen trennen, aber irgendwann fand ich dann doch den Weg zurück ins Hotel.

Am nächsten Tag ließ ich mir vom Portier meines Hotels ein paar Tipps geben, was ich mir unbedingt ansehen müsste und so verbrachte ich den Tag zwischen Bauwerken, Straßencafés und Museen, stellte aber bald fest, dass dies nicht ganz dem entsprach, was ich eigentlich suchte. So nahm ich mir am nächsten Morgen einen Mietwagen und fuhr los.

Zunächst einmal am Fluß Tejo entlang Richtung Santarem ins Landesinnere. Durch den „Garten Lissabons“ fuhr ich, vorbei an Gemüse- und Getreidefeldern und an riesigen Weinbergen. Weiter ging es in die Region Alentejo. Über Evora, die Hauptstadt des Alentejo und Beja nach Castro Verde. Viel Landschaft hatte ich gesehen, meinen Duft gerochen, ich war angekommen. Und am nächsten Tag machte ich einen Ausflug in den Naturschutzpark Guadiana. Über Mertola zum Wasserfall Pulo de Lobo. Ein großártiges Schauspiel der Natur.

In Castro Verde blieb ich ein paar Tage in einer kleinen Pension, genoss die Ruhe, machte kleinere Wanderungen durch die Umgebung und brach dann schließlich auf Richtung Algarve. Und hier kam ich nun endgültig zur Ruhe. Ich mietete mich in einem kleinen Bauernhof ein, die freundlichen Bewohner luden mich meist zu den gemeinsamen Mahlzeiten ein, so dass ich wirklich landestypisches Essen kennenlernte, abseits von den speziellen Touristenmenues.
Mit wunderschönen Wanderungen über die Klippen, durch die Dünen am Strand entlang und im Landesinneren verbrachte ich meine Tage. Oder am Strand sitzend mit einer Flasche Wein und einem Buch. Im nicht ganz einfachen Gespräch mit Armen und Beinen mit meinen Gastgebern oder auch zwischendurch in Lagos oder Faro in einem Café sitzend.

Ewig hätte das so weitergehen können, aber irgendwann geht auch der schönste Urlaub zuende. Und so machte ich mich auf dem kürzesten Weg auf, Richtung Lissabon zum Flughafen und bestieg das Flugzeug mit der absoluten Gewissheit, schon bald wieder zurückzukommen. Ich hatte meinen Jugendtraum gefunden. Und träumte jetzt den Traum eines Erwachsenen: Eines Tages wollte ich für immer hier leben und ich war mir gewiss, irgendwann würde ich auch diesen Traum wahr machen.

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