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Faial

Als fünfgrößte Insel der portugiesischen Azoren ist Faial die Heimat von knapp 15 000 Menschen, die hauptsächlich in der Hafenstadt Horta und den weiteren dreizehn Gemeinden leben. Die in ihrer Form fünfeckige „Insel der Seefahrer“ weist eine Gesamtfläche von etwa 180 Quadratkilometern auf und verfügt über eine Küstenlänge von fast 75 Kilometern. Wegen der intensiv blau blühenden Hortensien, die die Landschaft der kleinen Insel prägen, wird Faial auch als die „Ilha Azul“, die „Blaue Insel“ bezeichnet. Faial gilt als wichtige Zwischenstation für viele Menschen, die in Segelschiffen den Atlantik überqueren. Die zahlreichen Weltenbummler aus allen Ecken der Erde, die Faial auf der Durchreise besuchen, verleihen der Insel eine einzigartig internationale Atmosphäre. Vor allem in der Hauptstadt Horta trifft man zu jeder Jahreszeit Menschen aus aller Welt. Die Blaue Insel hält für Besucher neben einer einzigartigen Landschaft und unberührten Meeresbuchten auch ein überraschend großes Kulturangebot bereit.

Geschichtsträchtiger Schmelztiegel mitten im Atlantik

Im Jahr 1427 wurde die Inselgruppe der Azoren entdeckt und allmählich von Menschen flämischer Abstammung besiedelt. Einige Jahre, nachdem die Siedler Terceira zu ihrer neuen Heimat gemacht hatten, ließ sich eine kleine Gruppe von Menschen auf Faial nieder. Erst im 18. Jahrhundert erlebte die Insel einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung, nachdem einige US-amerikanische Walfänger auf Faial vorübergehend ansässig wurden, um die Hafenstadt Horta als Proviantlager zu nutzen. Die Regierung der Vereinigten Staaten reagierte darauf prompt und entsandte den aus Boston stammenden Großunternehmer John Dabney als Konsul, um ein funktionierendes wirtschaftliches und gesellschaftliches System nach modernen Vorbildern auf der Insel zu etablieren. Dieser ließ zahlreiche Fabriken bauen und schuf damit eine Vielzahl an Arbeitsplätzen, die den auf Faial lebenden Menschen ein angemessenes Leben ermöglichten.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde die Blaue Insel der zentrale Ort der Telekommunikation zwischen den USA und Europa, denn alle Telegraphenkabel der atlantischen Linie führten über Faials Hauptstadt Horta, wo die weltführenden Telegraphengesellschaften ihre Verstärkerstellen installierten und wichtige Stützpunkte aufbauten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Insel auch allmählich der bedeutendste Zwischenstop für die frühen Transatlantikflüge. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Alliierten Mächte den Hafen von Horta zu einem wichtigen militärischen Stützpunkt umfunktioniert und ließen hier in wenigen Jahren mehr als 2000 Kriegsschiffe einfahren. Zahlreiche schwere Vulkanausbrüche und Erbeben verursachten in der Vergangenheit immer wieder Bilder der Zerstörung und Fluchtwellen, wenn sich die Menschen auf Faial gezwungen sahen, anderswo eine neue Heimat zu suchen. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Trend allerdings umgekehrt und die Bevölkerung der Insel ist ständig am Zunehmen. Die vielfältigen Einflüsse, die im Laufe der Jahrhunderte auf die kleine Insel einwirkten, machten die Einwohner von Faial zu einem weltoffenen, toleranten Völkchen, das einerseits die Traditionen pflegt, sich jedoch andererseits den neuesten Entwicklungen und Anforderungen des zunehmenden Tourismus ohne Mühe anpasst.

Die Hauptstadt Horta – Eldorado für Architekturfans

Mit nur 6500 Einwohnern ist die Hafenstadt Horta ein überschaubarer Ort, von dem Besucher, die das erste Mal ihren Fuß auf die Insel setzen, an Kunst und Kultur vielleicht nicht allzuviel erwarten. Touristen, die sich Zeit nehmen, um Horta zu besichtigen, werden überrascht und überwältigt sein, wie viele interessante Bauwerke, Kulturdenkmäler und Geschichte die kleine Stadt zu bieten hat. Die nach Ponta Delgada und Angra do Heroísmo drittgrößte Stadt der Azoren war einst der wichtigste Knotenpunkt der ganzen Welt und sprüht vor internationalem Flair. Die einzigartige Lage der Stadt entstand durch einen Vulkankrater, der die Siedlungen Hortas auf zwei Buchten verteilt. Unter John Dabney wurde die Hafenstadt am 4. Juli 1833 schließlich zur Cidade ernannt und erlebte in den darauffolgenden Jahrzehnten eine Blütezeit an Kultur und Wirtschaft, an die die liebevoll verzierten bunten Häuser mit ihren Erkern und Balkonen und die prächtigen Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert noch heute erinnern. Die übersichtliche Stadt Horta ist leicht zu erkunden, da die kleinen und engen Gassen parallel zur Bucht angelegt wurden und auf den zahlreichen Plätzen aufeinandertreffen. Da Horta jedoch an einem Hang liegt, müssen sich Touristen auf mitunter anstrengende Fußmärsche gefasst machen.

Faial

Faial ©iStockphoto/mirisek

Die ausländischen Familien, die sich auf Faial niederließen und die Kultur der Insel maßgeblich beeinflussten, errichteten im Laufe der Jahrhunderte in Horta zahlreiche prachtvolle öffentliche und private Gebäude. Die meisten Häuser wurden im typischen Kolonialstil erbaut und sind zwei- oder dreistöckig. Erst im 19. Jahrhundert änderte sich allmählich der Stil der Häuser, die Geschäftslokale im Parterre und Wohnungen und Büroräumlichkeiten in den oberen Stockwerken beherbergten. Auffallend an den vielen Gebäuden in Horta sind die typischen Einflüsse der US-Amerikaner. Die Häuser weisen viele architektonische Elemente des amerikanischen Stils, wie beispielsweise mit Holz verkleidete Fassaden, verzierte Säulen, hohe Fenster und Vordächer über den Haupteingängen sowie auffällig bunte und aufwendig ausgebaute Dachgeschosse auf. Fans des Art Deco werden in Horta eine Vielzahl von Gebäuden erblicken, die auf einzigartige Weise wichtige Elemente dieser Stilrichtung mit dem typischen lokalen Baustil kombinieren. Da ein Großteil der Stadt im Zuge des Erdbebens von 1926 zerstört wurde, begannen die Einwohner Faials in den späten Zwanzigerjahren, als der Art Deco in Europa und Amerika gerade populär war, mit dem Wiederaufbau und wandelten diesen eleganten und prägnanten Stil in Horta auf einzigartige Weise ab. Die eigenwillige architektonische Interpretation brachte der Architektur der Stadt auch den Namen „Horta Deco“ ein. Auch die schon im Jahr 1527 erbaute Igreja de Nossa, die 1926 ebenfalls stark beschädigt wurde, erhielt im Zuge des Wiederaufbaus ein neues Gesicht im Stil des Art Deco. Bereits im Jahr 1941 wurde die schicksalsgebeutelte Kirche durch eine Explosion in einem nahegelegenen Militärlager der Alliierten erneut fast gänzlich zerstört und im Laufe der Jahrzehnte wiederholt restauriert.

Einen einzigartigen architektonischen Stil weist auch das imposante Vereinsgebäude der im Jahr 1856 gegründeten und enorm einflussreichen Freimaurerloge Sociedade Amor da Patria auf, das in den frühen Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts von dem Architekten Norte Junior errichtet wurde. Neben zahlreichen Elementen des Jugendstil sind auch die Wappen der Stadt und der Nation, die neben einer bildhaften Darstellung der blauen Hortensien das Dach des imposanten und optisch etwas eigenwilligen Gebäudes zieren, sehenswert. Eindrucksvoll ist auch der Prachtbau Palacio do Colegio, der sich einst im Besitz des mächtigen Ordens der Jesuiten befand. Heute sind in dem riesigen Gebäudekomplex sowohl die Igreja Matriz do Santissimo Salvador, die barocke Hauptkirche von Horta, als auch das Rathaus und das Stadtmuseum untergebracht. Die von außen recht schlicht wirkende Igreja Matriz begeistert ihre Besucher mit einem herrlich geschmückten Innenraum, in dem vor allem der mit Silber verkleidete Altar, die Fliesenbilder und das Messbuchpult aus mit Elfenbeinintarsien verzierten Palisanderholzschnitzereien auffallen.

Einsam steht der alte Glockenturm am Rande des idyllischen Parks Jardim de Florencio Terra. Der Turm ist das letzte Überbleibsel der alten Igreja Nossa Senhora da Conceicao, die kurz nach der ersten Besiedelungswelle erbaut, im Laufe ihrer turbulenten Geschichte niedergebrannt, zweimal zerstört und wieder aufgebaut und schließlich im 20. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Ihr Glockenturm Torre do Relogio aus dem 18. Jahrhundert überstand das schwere Erbeben des Jahres 1998 und erstrahlt nach seiner Renovierung in neuem Glanz. Von dem angeschlossenen Jardim des Florencio Terra, der neben imposanten Drachenbäumen auch einen See und einen verwunschenen alten Pavillon beherbergt, genießt man einen herrlichen Blick über die Stadt und den Yachthafen.

Die Insel Faial – Aktivurlaub für die ganze Familie

Die Vulkanlandschaft und das unberührte Meer um die Insel machen einen Aufenthalt auf Faial zu einem unvergesslichen Erlebnis. Besonders Taucher kommen in den vielen fisch- und artenreichen Buchten voll auf ihre Kosten. Der 35 Meter tiefe Unterwasserberg Banco Princessa gilt als der berühmteste Tauchspot des gesamten Archipels. Fahrten in diese prächtige Unterwasserwelt sind allerdings selten und müssen im Vorhinein gebucht werden. Alternativ können Taucher die Flora und Fauna des Atlantiks auch in der Boca das Caldeirinhas bewundern. Zusätzlich bieten einige Unternehmen in der Marina von Horta spezielle Tauchgänge mit Blauhaien sowie Küstenangeln und Sportfischen an.

Leidenschaftliche Naturentdecker und Hobbygeologen können auf dem Trilho dos 10 Vulcoes den längsten und beeindruckendsten Wanderweg der Azoren genießen. Die Vulkane haben entlang dieser Route eine einzigartige Landschaft gebildet, die an die Oberfläche des Mondes erinnert. Ein Besuch des Vulkankegels am Cepelinhos, der aus Tuffgestein und Basaltschlacken besteht, sollte ebenso eingeplant werden wie die Besichtigung des durch tektonische Verschiebungen entstandenen Grabens von Pedro Miguel. Die zahlreichen, auf der ganzen Insel verteilten Schluchten begeistern Naturliebhaber und Wassersportler gleichermaßen. Die vielseitige Landschaft der Insel eignet sich darüber hinaus hervorragend für eine eindrucksvolle Tour auf dem Mountainbike oder dem Rücken eines Pferdes. In der Baia de Porto Pim und der Lagoas de Pedro Miguel kommen Hobbyornithologen voll auf ihre Kosten. Diese Naturschutzreservate bieten zahlreichen unterschiedlichen Arten von Wasservögeln und Zugvögeln aus der ganzen Welt eine permanente oder vorübergehende Heimat und eignen sich daher hervorragend zur Vogelbeobachtung.

Badeurlaub wie im Paradies

Faial verfügt über weitaus mehr unterschiedliche Bademöglichkeiten als jede andere Insel der Azoren und ist daher für einen erholsamen Familienurlaub perfekt geeignet. Der weiße Sandstrand Porto Pim in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt fällt nur langsam ins Meer hinab und ist daher ein sicherer Ort für kleine Kinder, die erste Erfahrungen mit dem Meer machen. Da Porto Pim ein bevorzugtes Ausflugsziel für die Einwohner von Horta darstellt, ist der Strand jedoch nicht unbedingt der ruhigste Ort. Als wenig frequentierte und weitgehend naturbelassene Bademöglichkeiten gelten der abgelegene Strand von Faia sowie das für sein klares Meerwasser bekannte, jedoch nur schwer erreichbare Naturschwimmbecken von Porta da Eira.

Das kleine Dorf Varadouro ist für einen entspannenden Badetag mit der Familie der ideale Ort. Es liegt geschützt an einer Klippe und weist daher ein besonders mildes Klima auf. Das Naturschwimmbecken, das auch einen extra für Kinder angelegten Pool beherbergt, ist von schwarzen Felsen malerisch umrahmt und vom offenen Meer abgetrennt. Das Becken von Varadouro gilt als der exklusivste Badespot der Insel. Mehrere Restaurants, Umkleidekabinen und Duschanlagen sorgen für den nötigen Komfort inmitten der prachtvollen Natur. Der Strand Praia de Pedro Miguel gilt als der unberührteste Strand der ganzen Insel und wird nur von wenigen Touristen frequentiert. Besucher müssen für ihre Verpflegung selbst sorgen, denn es sind weit und breit keine Lokale zu finden. Bei einem mitgebrachten Picknick lassen sich die Idylle der Insel und das klare und ruhige Wasser des Atlantiks besonders entspannt genießen.

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