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Region Autónoma da Madeira

Madeira, dieser Name lässt die Herzen von Wander- und Tauchfreunden höher schlagen. Nicht umsonst ist das Eiland im Atlantik auch als Blumen- und Wanderinsel bekannt. Madeira heißt aber auch jene autonome portugiesische Region, zu der neben der gleichnamigen Insel auch Porto Santo und die unbewohnten Inselgruppen Ilhas Desertas und Ilhas Selvagens zählen. Näher an Marokko denn an Portugal gelegen beherbergt das abgelegene Madeira neben etwa 260.000 Einwohnern auch unzählige Pflanzen- und Tierarten, die die Region einzigartig machen.


Ilhas Desertas, Wüsteninseln, heißt die Inselgruppe, die vor der Südostküste der Hauptinsel Madeira liegt. Ihre drei Inseln Ilhéu Chão, Deserta Grande und Bugio sind weitgehend unbewohnt, zumindest von Menschen. Nur eine Forschungsstation existiert auf Deserta Grande, die jedoch ausschließlich von Forschern mit einer Ausnahmegenehmigung betreten werden darf. Und wozu dieser Aufwand für eine unbewohnte Insel? Ganz einfach, die Ilhas Desertas sind ein Rückzugsgebiet der seltenen Mönchsrobben und vor allem aus diesem Grund ein Naturreservat. Nur auf Deserta Grande lebt die Deserta-Tarantel, eine seltene Spinnenart, die hier wie auch der Kanariengirlitz, eine Wildform des Kanarienvogels, ebenfalls unter strengem Naturschutz steht.

Nicht weit entfernt von den Ilhas Desertas liegen die Wilden Inseln, die Ilhas Selvagens. Ihrer Abgeschiedenheit und schweren Zugänglichkeit ist es zu verdanken, dass sie eine bis heute einzigartige intakte Pflanzen- und Tierweltwelt aufweisen. Die Ilhas Selvagens bestehen eigentlich aus mehreren kleinen und kleinsten unbesiedelten Inseln, die von einem dichten Riff umschlossen werden. Aus diesem Grund fanden auf manchen der Inseln auch nie Besiedlungsversuche statt – sie waren schlichtweg nicht zugänglich. Keine der Inseln verfügt über eine Süßwasserquelle, was ebenfalls dazu beitrug, dass Menschen hier nie heimisch wurden.
Vor allem Ornithologen kennen die Ilhas Selvagens als Heimat unzähliger Seevögel, die dort ungestört brüten können. Die Inseln sind jedoch nicht nur ein Vogelschutzgebiet, sie sind auch ein einzigartiges Naturschutzgebiet, das 90 zum Teil nur hier heimische Pflanzenarten beherbergt. Kein Wunder also, dass die Inseln auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe stehen. Übrigens: Bekanntheit erlangten die Ilhas Selvagens in der Vergangenheit auch unter Seeräubern und Schatzsuchern. Der berüchtigte Seeräuber William Kidd soll hier einen sagenhaften Schatz vergraben haben, der schon mehrfach dafür sorgte, dass einige der Inseln umgegraben wurden.

Vergleicht man Porto Santo mit seinem großen Nachbarn Madeira, wirkt die ehemals dicht bewaldete Insel relativ kahl. Heute erinnert nur der Naturpark Porto Santo, in dem auch seltene und nur auf dem Madeira-Archipel vorkommende Pflanzenarten zu finden sind, an den ursprünglichen Wald aus Wacholder, Baumheide und Drachenbäumen. Ja genau, dieselben Drachenbäume, die in Deutschland in jedem zweiten Zuhause und beinahe jeder Arztpraxis stehen. Die meisten der dennoch zahlreichen Touristen besuchen die Insel jedoch nicht aufgrund dieser Gewächse. Sie zieht es vor allem nach Campo de Baixo, den 9 Kilometer langen Sandstrand, der am Wochenende neben Touristen auch viele Einheimische anzieht. Kein Wunder, das benachbarte Madeira bietet zwar viel Abwechslung und Erholung – aber nicht einen größeren, schönen Strand.


Madeira

Madeira ©iStockphoto/Anna_Jedynak

Blumeninsel wird Madeira genannt – was verwunderlich ist, wenn man weiß, dass die ursprüngliche Vegetation ganz anders aussah. Die heutigen Aushängeschilder der Insel, die Hortensien und Strelizien beispielsweise, wurden allesamt durch Siedler eingeführt. Madeira ist wie die meisten anderen Inseln von Makaronesien (kein Schreibfehler!) vulkanischen Ursprungs. Ihre Klippen, schon über Wasser schwindelerregend steil und hoch, fallen unter Wasser in Tiefen bis 4000 Meter ab. Der fruchtbare Boden begünstigt eine üppig blühende Vegetation, die Dank englischen Einflusses in Parks und Gärten das Auge erfreut. Apropos England: auch heute ist Madeira ein traditionell britisches Reiseziel. Viele besuchen die Insel, weil selbst der ehemalige britische Premier Winston Churchill hier weilte und einige Landschaftsbilder malte. Vielleicht ist es aber auch die Yacht „Vagrant“ der Beatles, die so manchen Briten nach Funchal zieht. Noch heute liegt das Schiff, das mittlerweile zu einem Restaurant ausgebaut wurde, im dortigen Hafen.

Viele Besucher von Madeira suchen eher Ruhe und Entspannung als hektisches Treiben und Parties nonstop. Wanderer finden hier hervorragende Strecken jeden Schwierigkeitsgrades, die Dank der ganzjährig milden Temperaturen auch gut zu absolvieren sind. Viele der Strecken führen entlang der Levadas, künstlichen Wassergräben, die Wasser aus dem niederschlagsreicheren Norden der Insel in den Süden leiten. Besonders schön gestalten sich Wanderungen im Weltnaturerbe der UNESCO zwischen Porto da Cruz und Santana und Bergwanderungen im Norden der Insel. Die Küste Madeiras war wie auch Porto Santo zu früherer Zeit dicht bewaldet. Darauf lässt beispielsweise auch der Name der Insel schließen: der portugiesische Begriff „madeira“ bedeutet „Holz“. Im Zeitalter der großen Entdeckungsfahrten benötigte man jedoch viel Holz für den Schiffbau, so dass große Waldflächen abgeholzt wurden. An Wiederaufforstung dachte damals freilich niemand. Heute lassen noch die überall präsenten, riesigen Drachenbäume in Gärten und Parks auf die Pracht und Größe der ursprünglichen Fauna schließen. Wer auf Madeira baden will, muss mit felsigen Badebuchten vorlieb nehmen oder nach Porto Santo an den dortigen langen Sandstrand fahren. Aber wer sich im Urlaub auch sportlich betätigen möchte, kommt auf der Wanderinsel voll auf seine Kosten. Neben sehr guten Wandermöglichkeiten ist die Insel ein Paradies für Wassersportler, aber auch für Reiter und Tennisspieler. Erwähnenswert sind auch die zwei sehr guten Golfplätze, die optimale Spielbedingungen in überwältigender Landschaft bieten. Der Palheiro Golf ist ein 18-Loch-Platz, der Santo da Serra Golf Club zählt mit seinen 27 Loch zu den besten Plätzen Europas.

Auch für den, der einfach nur das Leben genießen und vielleicht etwas Kultur entdecken möchte, zeigt sich Madeira von ihren sehr unterschiedlichen, aber immer schönen und interessanten Seiten. Vor allem Funchal, die Stadt des Fenchels, lockt so manchen Besucher mit ihren Parks und Gärten, Herrenhäusern und Kolonialbauten, den Straßen und Gässchen, in denen das Leben einen langsamen Gang geht. Hier ist der englische Einfluss wahrscheinlich am deutlichsten spürbar. Tropische Gärten, kunstvoll angelegt und liebevoll gepflegt, laden zum Spazieren und Verweilen ein. Der Botanische Garten, Gardim Botanico, begeistert sowohl mit der Schönheit seiner Pflanzen als auch mit einem Papageienpark. Einen wundervollen Blick hat man auch von Monte oberhalb von Funchal. Hier befinden sich eine Kirche mit dem Grab des letzten Kaisers von Österreich-Ungarn und auch wieder ein wundervoller tropischer Garten. Wer schon die allgegenwärtigen Azulejos vermisst hat: hier findet man sie wie auch in den Kirchen der Stadt wieder.

Kurvig und eng sind die Straßen von Madeira, nicht nur innerorts. Was wie eine Herausforderung für jeden Biker klingt, kann ungemütlich werden, spätestens dann, wenn es über holpriges Kopfsteinpflaster geht. Wagt man jedoch trotzdem einen Ausflug mit Auto oder Motorrad, entdeckt man noch andere Facetten der Insel. Die ursprünglichen Wälder im Norden zum Beispiel, den Osten mit seinen sehenswerten Inseln und Felsformationen oder auch die Lavahöhle in São Vicente, eines der wenigen Hinweise auf den Vulkanismus, der diesen blühenden, duftenden Garten im Ozean einst erschuf. Übrigens: wussten Sie, dass Christoph Kolumbus und auch die österreichische Kaiserin Sisi einige Zeit auf Madeira verbrachten? Und dass die hawaiianische Ukulele eigentlich von Madeira stammt? Weil im 19. Jahrhundert der Markt für Zuckerrohr auf Madeira zusammenbrach, wanderte der Musiker Joao Fernandez auf einem Emigrantenschiff nach Honolulu aus und brachte dabei die portugiesische Braguinha mit, aus der sich schließlich die Ukulele entwickelte.

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