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São Miguel

São Miguel nennt man auch Ilha Verde, die grüne Insel. Ihren Namen verdankt sie ihren dichten, ursprünglichen Wäldern, die jedoch im Laufe der Zeit immer mehr der Landwirtschaft weichen mussten. Statt des Waldes findet man heute verbreitet Felder mit Tabak und Wein, Mais und Hülsenfrüchten. Die wohl bekanntesten Erzeugnisse der Insel sind aber Ananas und Tee, der im abgelegenen Norden von São Miguel auf der europaweit einzigen Teeplantage angebaut wird.

Touristisch ist São Miguel die am besten erschlossene Insel der Azoren. Sie besteht aus zwei Teilen, die vor Tausenden von Jahren durch den immer noch allgegenwärtigen Vulkanismus verbunden wurden. Der Osten der Insel ist relativ dicht besiedelt wird dominiert von den Gebirgsmassiven Serra de Agua de Pau und Serra da Tronqueira. Im Westen findet man den sagenumwobenen Vulkan Sete Cidades. Seine Caldeira lockt Wanderer und Campingurlauber mit dichten, urwaldartigen Wäldern und einigen traumhaften Kraterseen. Die wohl bekanntesten unter ihnen sind der Lagoa Azul und der Lagoa Verde, die nur durch eine Bogenbrücke getrennt werden. Leider sind die Seen aufgrund von Überdüngung weniger gut zum Baden geeignet, dafür aber umso schöner anzusehen, wenn sie in intensiven Blau- und Grüntönen in der Sonne glitzern. Den schönsten Blick hat man übrigens vom Aussichtspunkt Vista do Rei und auch vom etwas weniger bekannten Miradouro do Cerrado dos Freitas. Letzterer ist auch ein guter Ausgangspunkt für eine Wanderung entlang des türkis schimmernden Lagoa de Santiago ganz in der Nähe.

Aber nicht nur idyllische Kraterseen und beeindruckende Vulkane, Urwald und traumhafte Wanderwege lassen jedes Besucherherz höher schlagen. Neben steilen Klippen hat São Miguel auch wunderbare Sandstrände und unzählige Aussichtspunkte zu bieten. Die kurvenreichen Strecken im Norden der Insel sind ein Traum für jeden Motorradfahrer und die zahlreichen Möglichen für Aktivurlauber lassen keine Wünsche mehr offen. Egal ob Wandern oder Schwimmen, Angeln oder Windsurfen, Segeln, Rudern oder Tauchen, jeder findet hier eine Möglichkeit, seinen Urlaub aktiv und mit Spaß zu gestalten. Übrigens: in der Nähe von Furnas gibt es auch einen guten, idyllisch gelegenen Golfplatz.

Apropos Furnas: sage und schreibe 22 heiße Quellen gibt es in der Stadt, die schon im 19. Jahrhundert begeisterte Kurgäste aus England anzog. Ein Grund dafür war sicherlich der Park Terra Nostra, ein 12 Hektar großes Refugium für die unterschiedlichsten Pflanzen aus aller Welt. Noch heute beeindrucken hier riesige Farne und endemische Pflanzen. Zauberhafte Kamelien und Magnolien, Azaleen und Hibiskus lassen jedes Gärtnerherz höher schlagen. Mittelpunkt des Parks ist ein auf den ersten Blick wenig einladender weil ockerfarbener Thermalsee. Wer sich aber einmal in das konstant 38°C warme Wasser begeben hat, genießt seine wohltuende Wärme und tut ganz nebenbei Haut und Knochen etwas Gutes. Der Thermalsee ist übrigens nicht das einzige Thermalgewässer in Fumas. Jede der 22 Quellen verspricht heilende Wirkung und so ist es kein Wunder, dass hier auch ein Badehaus erbaut wurde, das Besuchern von Juli bis September offen steht. Das Wasser der Gegend wird auch gern als Mineralwasser und zum Teil mit Kohlensäure und Geschmacksstoffen versehen verkauft. Raten Sie mal, woher Fumas seinen Namen erhielt. Klar, von den überall verstreut liegenden Fumarolen, jenen übel riechenden, blubbernden und rauchenden Löchern im Boden, die auch heute noch verdeutlichen, wie stark die Gegend durch den Vulkanismus geprägt ist. Die Fumarolen geben übrigens auch einen prima Dampfkochtopf ab. In ihnen bereitet man Cozida das Furnas, einen gehaltvollen, leckeren und auch sehr gesunden Eintopf, zu, der in einem Topf etwa sechs Stunden in einem dieser Erdlöcher vor sich hin köchelt.

São Miguel

São Miguel ©iStockphoto/sphraner

Hauptstadt von São Miguel und den Azoren gleichermaßen ist Ponta Delgada, die einzige Großstadt der Inselgruppe. Trotz ihrer Hochhäuser und Geschäftigkeit, ihrer Universität und ihrer stets gut frequentierten Uferpromenade konnte sich die Stadt mit der „dünnen Spitze“ ihren alten Charme über die Jahre erhalten. Überschaubar ist sie, aber dennoch so reich an Schönem und Interessantem, dass man mehrere Tage für einen Besuch von Ponta Delgada einplanen sollte. Dann findet man auch Zeit, seinen Blick in Ruhe über schattige Parks und barocke Kirchen, schmucke Schiffe und enge Gässchen schweifen zu lassen. Ponta Delgada ist eine grüne Stadt, durchsetzt von unzähligen Gärten und Gärtchen, Parks und kleinen, grünen Oasen der Ruhe mitten im Trubel. Hier lässt es sich gut aushalten, wenn sich die Straßen der Stadt nach einem langen, bunten Tag voller Eindrücke gegen Abend mit Leben füllen. Puls der Stadt ist die Avenida Infante Dom Henrique, die Hauptverkehrsstraße, die mit ihren Banken und Bürogebäuden auch durch eine beliebige andere Großstadt der Welt führen könnte. An ihrer Südseite liegt eine kleine Promenade, die mit ihren Cafés direkt am Meer zu Kaffee und Leckereien einlädt.

Wie in jeder anderen Stadt Portugals auch sind vor allem die schönen alten Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert und die beeindruckenden wie pompösen Kirchen mit zu Teil noch original erhaltenen, wertvollen Azulejos geschmückt. Die meisten der Kirchen weisen barocke Bauelemente auf. Als geradezu beispielhaft barock gilt die Igreja de Sao Jose mit der Kapelle Nossa Senhora das Dores. Der Hafen ist auch in Ponta Delgada Treffpunkt für Einheimische und Besucher, Jung und Alt. Piscina, das städtische Schwimmbad mit angrenzendem Meerwasserbecken, lädt sie dort alle zum erfrischenden Bad. Am anderen Ende des Hafens liegt das Forte de Sao Braz. Das im 16. Jahrhundert erbaute Fort diente einst der Verteidigung der Stadt und beherbergt heute die portugiesische Marine. Von hier aus hat man einen ebenso traumhaften wie romantischen Blick über die Skyline von Ponta Delgada – kein Wunder, dass man an diesem Ende der Strandpromenade gegen Abend unzählige Paare sieht. Übrigens: wer schon immer einmal wissen wollte, wie handgerollte Zigarren hergestellt werden, muss dafür nicht nach Kuba fliegen. Die beiden noch verbliebenen Tabakfabriken in der Inselhauptstadt bieten regelmäßig Führungen durch ihre Räume an. Danach qualmt es sich doch gleich doppelt so gut.