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São Jorge

Würde man die Einwohner der Azoren nach etwas Typischem fragen, das São Jorge charakterisiert, dann wäre die Antwort wohl eindeutig: Milchkannen. Kein Haus, vor dem keiner der silbern in der Sonne glänzenden Milchbehälter steht. Eine Erklärung dafür ist schnell gefunden: die Einwohner der Insel leben zu einem Großteil von der Vieh- und Milchwirtschaft. Ein schöner Nebeneffekt ist der hier produzierte, aromatische Käse, der sogar bis nach Nordamerika exportiert wird.

Wie eine Nadel liegt São Jorge im Schatten von Faial und Pico. Die nur 8 Kilometer breite, dafür aber 56 Kilometer lange Insel besteht zu einem großen Teil aus einem vulkanischen Gebirgsrücken, der Höhen bis über 1000 Meter erreicht. Vom Hochland, das Besucher mit saftig grünen Weiden und gut gepflegten Waldgebieten lockt, bieten sich atemberaubende Ausblicke auf die steil abfallende Küste oder hinüber zu den Nachbarinseln. Vor allem dort macht São Jorge ihrem Namen als Wanderinsel alle Ehre: ein dichtes, zum Teil markiertes Wegenetz zieht sich über das gesamte Hochland und bietet abwechslungsreiche Wanderstrecken für Jedermann. Egal ob Wanderanfänger oder Trekkingerfahrener, ausgiebiger Spaziergang oder Ganztagestour, für jede Kondition ist eine Strecke vorhanden. Besonders attraktiv für Wanderer und Romantiker gleichermaßen ist der Waldpark Sete Fontes an der Westspitze der Insel. Das auch bei Einheimischen sehr beliebte Ausflugsziel bietet neben einem Wildgehege und traumhaften Aussichtspunkten auch schöne Wanderstrecken, die von exotischen Pflanzen und bunt schillernden Vögeln, hohen Baumfarnen und erfrischenden Quellen gesäumt sind.

Besonders interessant versprechen auch Wanderungen zu einer der Fajãs zu werden. Die Fajãs, das sind sehr fruchtbare, aber auch sehr kleine Küstenebenen, die abgelegen unterhalb der Steilwände, direkt am Meer, liegen. 46 dieser Fajãs gibt es auf São Jorge, nur die gut erreichbaren sind noch bewohnt. Wer sie zu Fuß erreichen will, muss eine oft abenteuerliche Wanderung auf sich nehmen, die häufig um die grünen Klippen mit ihren zum Teil spektakulären Wasserfällen herum führt.

São Jorge

São Jorge ©iStockphoto/Sean Pavone

Neben hervorragenden Wanderbedingungen bietet São Jorge aber auch kleine touristische Schätze wie beispielsweise die Igreja de Santa Barbera das Manadas. Diese Kirche ist allein schon deshalb sehenswert, weil sie im typischen Barockstil der Azoren aus Basalt erbaut wurde. Im Inneren überrascht die Besucher Unerwartetes: schöne alte Azulejos bedecken die Wände des Gotteshauses, die Kassettendecke aus Zedernholz beeindruckt ob ihrer wunderschönen Schnitzereien. Die Reliefs des heiligen Georg, der weißen Taube und der heiligen Barbera fallen besonders ins Auge. Das vergoldete Interieur trägt das seine zum prachtvollen Eindruck bei, den diese Kirche hinterlässt.

Wer Velas, die Hauptstadt der Insel mit ihrem barocken Rathaus und den Art Deco-Gebäuden, ihrem Musikpavillon und den wunderschönen alten Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert besucht, sollte sich nicht über seltsame nächtliche Geräusche wundern. Sie stammen mit großer Wahrscheinlichkeit von den Cagarras, Gelbschnabel-Sturmtauchern, die in dieser Gegend leben und ihrer Umgebung mit ihrem charakteristischen wie unüberhörbaren Schrei nach Einbruch der Dämmerung den Schlaf rauben.