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Stierkampf in Portugal

Die Menge tobt, der Stier senkt seine Hörner, der Torero stellt sich todesmutig dem Kampf Mensch gegen Tier. Gibt es nur in Spanien, sagen Sie? Da liegen Sie falsch, der Stierkampf ist auch in Portugal beliebt bei Jung und Alt.

Der portugiesische Stierkampf ist wie auch sein spanisches Pendant ein jahrhundertealtes Spektakel, das auf einzigartige Weise die Traditionen und Werte des Landes verkörpert. Er wird Tourada, Corrida (de Touros) oder auch Tauromaquia genannt und findet in Arenen im ganzen Land, beispielsweise in Lissabon, Santarém, Vila Franca oder Xira statt. Touristenversionen einer Corrida kann man zum Beispiel auch in Lagos oder Albufeira an der Algarve besuchen.

Den Cavaleiros kommt im portugiesischen Stierkampf die höchste Ehre zu. Diese Reiter blicken auf eine jahrhundertealte Tradition zurück und begreifen den Stierkampf als eine Demonstration außergewöhnlicher Reitkünste. In ihren Trachten aus dem 18. Jahrhundert begeistern sie bis heute mehrere Tausend Menschen, die der Corrida in der Arena beiwohnen.

Nach einer anfänglichen Ehrenrunde verlässt der Cavaleiro die Arena zunächst noch einmal und herein kommt ein Stier mit abgefeilten Hörnern, der noch gar nicht so wütend aussieht. Jetzt schlägt die Stunde des Cavaleiros: mit seinem oftmals preisgekrönten und perfekt dressierten Pferd vollführt er waghalsige Manöver, greift immer wieder Touro, den Stier, an. Sein Ziel ist es, maximal 12 Banderillas in den Nacken und Rücken des Stieres zu stechen, der zusätzlich durch Farpas, Pfeile mit bunten Bändern, provoziert wird. Hat der Cavaleiro sein Ziel erreicht, verlässt er unter dem stürmischen Applaus des Publikums die Arena und es folgt Akt 2 des Spektakels.

Der zweite Teil des Stierkampfes unterscheidet sich von Region zu Region. In manchen Gegenden betritt wie auch beim spanischen Stierkampf ein Matador die Arena. Er kämpft Mann gegen Tier, sein rotes Tuch dient der Provokation und Ablenkung des Stieres. Obwohl sich Matadore der höchsten Gefahr aussetzen, sind sie in Portugal weit weniger populär als in Spanien, wo einige Matadore einen regelrechten Superstar-Status innehaben. In anderen Regionen tritt nun der Picador auf, ein Lanzenreiter, der den wütenden und verletzten Stier nun mit einer Lanze zu Boden zwingen muss. Ein Picador ist dabei weniger angesehen als ein Cavaleiro und auch sein Pferd ist in der Regel weniger gut trainiert.

Stierkampf in Portugal

Stierkampf in Portugal ©iStockphoto/cynoclub

Akt drei ist bei den meisten Urlaubern und Kindern sehr beliebt: hier findet die Pega statt, der Kampf ohne Waffen. Sieben oder acht Forcados sind nun in der Arena und geben gewissermaßen die vorwitzigen Clowns. Sie stellen sich hintereinander auf und provozieren den Stier so lange, bis dieser mit gesenktem Kopf auf sie zu läuft. Der vorderste Mann hat nun die wichtigste Aufgabe: er muss sich mit einem wagemutigen Sprung, wenn möglich über die Hörner des Stieres, in Sicherheit bringen. Danach versuchen alle Forcados zugleich, den Stier ohne Waffen zu Boden zu zwingen – auch wenn das bedeutet, ihn von der Seite umzustoßen oder sich mit dem gesamten Köpergewicht an seinen Schwanz zu hängen. Nach dem Auftritt der Forcados bringt man einen weiteren Stier mit einer Glocke in die Arena, dem der besiegte Stier in der Regel brav folgt.

Im portugiesischen Stierkampf darf der Stier nicht getötet werden. Mit Ausnahme der Gemeinde Barrancos ist das Töten sogar gesetzlich verboten und zieht hohe Geldstrafen nach sich. In Barrancos nahe der spanischen Grenze gilt jedoch seit 2002 eine Ausnahmeregelung, da es sich dort beim Töten des Stieres um eine alte und ununterbrochene lokale Tradition handelt. Trotz des Verbotes finden jedoch auch immer wieder Stierkämpfe in anderen Regionen des Landes statt, bei denen der Stier getötet wird. Besonders mobile Arenen sind nur schwer zu kontrollieren, da sie jederzeit ihren Standort wechseln können.
Ob man sich einen Stierkampf anschauen möchte oder nicht, das sollte jeder für sich entscheiden. Aber: auch wenn in Portugal offiziell kein Tier in der Arena getötet werden darf, haftet dieser Tradition doch das Stigma der Tierquälerei an.