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Barcelos und seine Sehenswürdigkeiten

Barcelos

Nördlich von Porto gelegen, findet man die kleine Stadt Barcelos. Oberhalb des Flusses „Cavado“ gelegen, ist die verträumte Stadt bei Touristen vor allem wegen ihres mittelalterlichen Stils und der barocken Bauweise beliebt. Auch durch die traditionell gefertigte Töpferkunst und das Kunsthandwerk hat sich Barcelos einen Namen gemacht. Der weitläufig bekannte „Galo de Barcelos“, das inoffizielle Nationalsymbol Portugals, findet hier seinen Ursprung. Farbe, Bewegung, Leben und Kultur. Die Stadt Barcelos ist eine perfekte Kombination aus Tradition, Innovation und Moderne. Des Weiteren gilt Barcelos als eine der Städte mit den meisten Arbeitsplätzen in der Fertigungsindustrie Portugals. Der Hauptteil der Beschäftigung liegt hier in der Textilindustrie.

Stadtgeschichte

Barcelos ist wohl bereits seit der Altsteinzeit besiedelt. Ursprünglich war es eine kleine römische Siedlung, die im Laufe der Jahrhunderte erweitert wurde. D. Afonso Henriques (auch „Alfons der Eroberer“ genannt), der erste König Portugals, gab Barcelos 1140 Stadtrechte, welche auch 1515 von König Manuel dem I. erneut erteilt wurden. Im 15. Jahrhundert wurde Barcelos Sitz des ersten Herzogs von Bragança.
1928 wurde die einstige „Vila“ (Kleinstadt mit Verwaltungsrechten) zur Stadt (Cidade) erhoben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kunsthandwerk

Barcelos ist eine Region mit einer starken kulturellen und ethnologischen Identität, die sich auch durch ihre Vielfalt an Handwerk und Kunst ausdrückt. Gerade Töpferarbeiten haben im Laufe der Jahrhunderte an großer Bedeutung für die Stadt gewonnen, sodass sie untrennbar von der Geschichte, der Gegenwart und Vergangenheit dieser Gegend und ihrer Menschen geworden sind. Das Kunsthandwerk ist ein Teil der Kultur Barcelos und wird von verschiedensten Themen inspiriert. Eine Vielzahl der Einwohner ist in diesem Gewerbe tätig, wodurch Barcelos zu Portugals Hauptstadt des Handwerks wurde. Vor allem Töpferarbeiten sind bei Touristen begehrt und ein beliebtes Mitbringsel. Auch Antiquitäten-Liebhaber werden in dieser Stadt auf ihre Kosten kommen. An einem jeden Donnerstag findet ein Markt in „Campo da República“ statt, der Touristen und Besucher aus der ganzen Region anzieht. Der sogenannte „Feira de Barcelos“ ist ein eher bäuerlicher Markt. Man trifft hier auf Verkaufsstände, die verschiedene Lebensmittel, wie saisonale Obst- und Gemüsesorten und selbstgemachten Käse sowie hübsche Töpferwaren und diverse Arten an Kunsthandwerk anbieten.

Im „Torre da Porta Nova“, einem Turm der früheren Stadtmauer, ist ein Kunsthandwerkszentrum untergebracht. Außerdem gibt es noch ein eigenes Keramik-Museum zu entdecken, das „Museu de Olaria“. Das Museum befindet sich im Gebäude des ehemaligen „Casa dos Mendanhas Benevides Cyrne“, im historischen Zentrum von Barcelos. Die Sammlung umfasst derzeit etwa 9000 Objekte. Sie besteht im Wesentlichen aus Stücken portugiesischer Keramik, aber auch einige afrikanische und südamerikanische Arbeiten sind zu sehen. Die Hauptaufgabe des Museums liegt im Erwerb, der Forschung und Verbreitung der seltenen Stücke sowie ihrer Erhaltung.

Das historische Stadtzentrum

Im historischen Zentrum der Stadt reihen sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten der Stadt aneinander. Die Verbindung zwischen Barcelinhos und Barcelos Stadtzentrum stellt die „Ponte Medieval“ her, eine mittelalterliche Brücke aus dem frühen vierzehnten Jahrhundert, die im gotischen Stil gebaut ist. Von Touristen gern gesehen ist die „Igreja Matriz“, auch „Igreja de Santa Maria Maior“ genannt. Sie gilt als Hauptkirche der Stadt. Ihr Bau begann in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Seither wurde sie mehrmals umgebaut. In ihrer Bauweise erkennt man einen Übergang von der Romantik zur Gotik. Man findet dort zum Beispiel manieristische und barocke Elemente in den verschiedenen Altarretabeln, aber auch romanische Bauabschnitte, wie das große Portal mit der Fensterrose oder die Kapitelle der Säulen der Bogenreihen.

Daneben steht auf der Südseite der Fassade ein Glockenturm aus dem achtzehnten Jahrhundert, der im Laufe der vielen Umbauten zu dieser Zeit entstanden ist. Im „Museu de Arte Sacra“, im nordwestlichen Flügel der Kathedrale, sind Kunstschätze, die auf das 10. Jahrhundert zurückgehen, untergebracht. Im früheren Erzbischöflichen Palais ist heute die Stadtbücherei zu finden. Dahinter ist ein weiter Garten gelegen, der „Jardim de Santa Bárbara“, eine wahrliche Oase der Ruhe.

Im 17.Jahrhundert wurde der „Palácio dos Biscainhos“ errichtet, welcher heute als Städtisches Museum genutzt wird. Er wurde ursprünglich für eine Adelsfamilie erbaut und spiegelt durch sein prächtiges Interieur einen Eindruck vom glanzvollen Lebensstil der gehobenen Kreise der damaligen Zeit wider. Ebenfalls einen Besuch wert, ist die im Jahr 1328 erbaute Kapelle im Stadtkern, die „Capela de Nossa Senhora da Ponte“. Die Ruinen des ehemaligen Palasts des Grafen von Barcelos („Paço dos Condes de Barcelos“) werden heute als archäologisches Museum genutzt. Der Palast stammte aus dem späten Mittelalter und wurde in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts von D. Afonso erbaut. Durch ein Erdbeben wurde der Palast im Jahre 1755 zerstört, lediglich Ruinen blieben bestehen. Das Archäologische Museum wurde erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Form eines einzigartigen Freilichtmuseums eingerichtet.

Als augenfälligstes Gebäude der Stadt gilt der „Templo do Senhor Bom Jesus da Cruz“. Eine Barock-Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Ihre Entstehung ist auf die wundersame Erscheinung von schwarzer Erde in Form eines Kreuzes auf dem schlammigen Boden des Campo da Feira im Dezember 1504 zurück zu führen. Die heutige Kirche öffnete für den Gottesdienst im Jahre 1710. Konzipiert wurde sie von dem Architekten João Antunes. Der Tempel ist der Mittelpunkt des jährlichen Festivals der Kreuze am 3. Mai. Weitere sehenswerte Kirchen in Barcelos sind unter anderem die „Nossa Senhora do Terço“ oder auch die Kirche des „Santo Antonio“.

Barcelos

Barcelos ©iStockphoto/caravana

Die Gemeinde Barcelos

Auch Naturliebhaber und Wanderfreunde können in Barcelos auf ihre Kosten kommen. Denn nicht nur im Stadtzentrum gibt es für Besucher einiges zu entdecken. In der weitläufigen Gemeinde gibt es wunderschöne Wanderwege und Naturpfade, die dazu einladen, die hügelige Landschaft zu erkunden. Aufgrund der wunderschönen Aussicht sind Ausflüge auf einen der umgebenden Berge besonders beliebt. So steht beispielsweise eine Wanderung auf den „Monte da Franqueira“ nicht nur bei Pilgern häufig auf dem Programm. Von diesem Berg aus, hat man einen traumhaften Blick auf die Stadt und die Umgebung Barcelos. Auch der letzte Flusslauf des „Cávado“ ist von hieraus zu sehen. Zudem kann man noch die Berge „Monte Sameiro“ und „Bom Jesus“ in Braga sowie die Bergketten von Gerês im Osten erkennen.

Vom Fremdenverkehrsamt der Stadt werden auch geführte Wanderungen angeboten. Das eigens dafür geschaffene Programm „Caminhar para Conhecer Barcelos“ bietet Touristen diverse Routen an, auf denen man die Landschaft Barcelos und außerhalb gelegene Sehenswürdigkeiten entdecken kann. Das Angebot ist in verschiedene Themenbereiche aufgeteilt, die unter anderem Wege der Sparten Landschaft und Natur, Kultur, religiöse Stätten und Archäologie beinhalten. So können Besucher nach Belieben und Interesse ein für sie passendes Angebot auswählen.

Als weiterer Besuchermagnet gilt der Fluss „Cávado“. Der „Cávado“ hat insgesamt eine Länge von 135 Kilometern und mündet letztendlich im Atlantischen Ozean. Er fließt an Barcelos vorbei und wird sowohl von der lokalen Bevölkerung als auch von Touristen gerne besucht. An den verschiedenen Uferabschnitten eröffnen sich einem viele Möglichkeiten der Tagesgestaltung. Wer sich nach Entspannung sehnt, kann an einem der Flussstrände die natürliche Umgebung des „Cávado“ genießen und auch dort ein Bad nehmen. Sportlich interessierte Besucher können diverse Wassersportarten (u. a. Kajak fahren) ausprobieren. Aber auch eine Entdeckungstour durch die Natur ist lohnenswert. Direkt am Wasserlauf gibt es Naturlehrpfade und einige spezielle Stellen, an denen man Tiere (z. B. Vögel und Otter) beobachten kann.

Traditionen

Das Fest der Kreuze(„Festa das Cruzes“)

Eine Mischung aus Animation, Licht, Farbe und Freude erlebt man, wenn man Anfang Mai nach Barcelos reist. Zu dieser Zeit wird das jährlich stattfindende „Festa das Cruzes“ gefeiert. Es ist die erste große Wallfahrt eines jeden Jahres, die auf dem Festkalender der Region steht. Besucher können dabei hautnah die Traditionen der Stadt, ihre Geschichte und Bräuche miterleben und kennenlernen.

Das Fest der Kreuze gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Festen der ganzen Region und hat für die Stadt Barcelos einen sehr hohen Stellenwert. Überall herrscht eine spürbar positive Stimmung. Neben Gesang und Tanz gibt es Feuerwerke, Straßenzüge, Folkloredarbietungen und Musik. Alles fiebert dem Höhepunkt des Festes entgegen, der Hauptprozession am 3. Mai, die zum „Templo do Senhor Bom Jesus da Cruz“. geht.

Der Feier liegt die wundersame Kreuzerscheinung von 1504 zu Grunde. Unter der Herrschaft von König Manuel dem I., bemerkte der Schuster João Pires Rückkehr ein schwarzes Kreuz auf der Erde des „Campo Feira“. In Anlehnung an das Zeichen Gottes wurde besagter Tempel gebaut, der heute der Mittelpunkt der Feierlichkeiten ist.

Bis zum neunzehnten Jahrhundert war das Fest im Wesentlichen religiöser Natur. Hunderte Pilger strömten dorthin. Sie kamen nicht nur aus der Region Barcelos, sondern aus dem ganzen Land. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde das Fest dann um einige Attraktionen erweitert. Neben den religiösen Kernelementen sollte nun auch der Spaßfaktor eine Rolle spielen. So wurden nach und nach unter anderem Karussells, verschiedene Stände, Zirkus-Shows und Paraden miteingebaut. Dadurch schaffte es die Stadt weitere Besucher anzulocken und sich auch weiträumig einen Namen zu machen. Bis heute blieb dieses kulturelle Erbe Barcelos erhalten und wird von der lokalen Bevölkerung, Pilgern, aber auch von einfachen Touristen in jedem Jahr traditionell gefeiert. Das Fest wird von der kommunalen Stelle für Bildung und Kultur organisiert und von der Stadtverwaltung gefördert.

Die Legende des „Galo de Barcelos“

Das inoffizielle portugiesische Nationalsymbol findet seinen Usprung in einer Legende Barcelos. Sie erzählt von einem Bauern, welcher die Stadt Barcelos verließ, um nach Santiago de Compostela zu pilgern. Am Stadtrand von Barcelos wurde er von einem reichen Landbesitzer des Diebstahls seines Tafelsilbers beschuldigt. Er kam vor Gericht und wurde schuldig gesprochen. Verurteilt wurde er zum Tode durch den Strang. Vor der Urteilsvollstreckung verlangte der Bauer ein letztes Gespräch mit dem Richter, der sein Urteil verkündet hatte. Der Richter war gerade beim Essen und hatte einen gebratenen Hahn auf dem Tisch. Der Verurteilte sagte ihm, dass der Hahn vom Teller hüpfen und während seiner Hinrichtung krähen würde, wenn er unschuldig sei. Als daraufhin die Hinrichtung stattfinden sollte, begann der Hahn tatsächlich zu krähen. Der Richter rannte sofort zum Dorfplatz, um das Geschehen zu stoppen. Wie durch ein Wunder war der Strang, der den Mann hängen sollte, aufgegangen. Daraufhin wurde der Mann frei gesprochen und konnte gehen. Ein paar Jahre später kam er nochmals nach Barcelos zurück und errichtete das Kreuz des Hahnes („Cruzeiro do Galo“), in Erinnerung an die Geschichte und zu Ehren des Heiligen Tiago und der Jungfrau Maria. Das Denkmal findet man im Inneren des Archäologischen Museums.

Natürlich glaubt man die Legende vom Hahn von Barcelos nicht wortwörtlich. Sie stellt aber aufgrund ihrer moralischen Werte einen wichtigen Beitrag zur portugiesischen Kultur dar. So berührt sie Aspekte des täglichen Lebens, wie zum Beispiel Gerechtigkeit, Schicksal, den Wunderglauben und Stolz, die in Portugal hohe Wertschätzung genießen und gibt den Menschen Stärke und Vertrauen. Das Hahnen-Symbol findet man in Barcelos an fast jeder Ecke. In verschiedensten Ausführungen wird der Legende gedacht. Gerade auch in den künstlerischen Gewerben wird es gerne als Motiv genutzt.