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Amarante und seine Sehenswürdigkeiten

Viel Wald und Wasser im grünen Hinterland von Porto: Alte Häuser und junger Wein

Im zentralen Norden Portugals, im Osten des Distrikts Porto und in der nach dem gleichnamigen Fluss benannten Subregion Tâmega liegt mit der Stadt und dem Landkreis Amarante eine bereits seit der Altsteinzeit ununterbrochen besiedelte Kulturregion. Geografisch von den majestätischen Bergrücken der umliegenden und bis zu über 1400 Meter hohen „Sierra de Marão“ samt ihrer dichten Laub- und Nadelwälder geprägt, bestimmen bis heute Land- und Holzwirtschaft sowie vor allem der Weinbau das Wirtschaftsleben. Als Ferienziele sind sowohl die Stadt als auch der Kreis bislang noch zumeist Geheimtipps für den eher ruhig verbrachten Natur- oder Wanderurlaub. Immer mehr zieht es jedoch auch Freunde des hier traditionell angebauten „Vinho Verde“ (grüner bzw. junger Wein) zwecks Besichtigungen und Verkostungen in die gleichermaßen grüne Gegend. Neben seinen landschaftlich reizvollen Wanderstrecken und vielen prächtigen alten Weingütern, die inzwischen häufig auch Kost und Logis im Rahmen des populären „turismo rural“ bzw. „agroturismo“ anbieten, hält das lediglich gut 60 Kilometer von Porto und dem Atlantik entfernte Gebiet auch zahlreiche historisch bedeutsame architektonische Attraktionen parat.

Die Brücke des Heiligen Gonçalo machte die Stadt früh im ganzen Land bekannt

In der Stadt Amarante selbst leben aktuell gut 11.000 Einwohner, im ca. 300 km² großen Landkreis („Concelho“) mit seinen insgesamt 40 Städten und Gemeinden etwas über 56.000 Menschen. Bekanntestes Bauwerk dürfte die nach dem dort seinerzeit residierenden Dominikanermönch Gonçalo de Amarante (São Gonçalo, 1187-1259) benannte und für die städtische Entwicklung wichtige Brücke („Ponte de São Gonçalo“) über den eingangs erwähnten Fluss Tâmega sein, die um 1250 auf dessen Initiative hin erbaut wurde. Unmittelbar neben der Brücke befindet sich seit 1540 auch das vom damaligen König D. João III. in Auftrag gegebene Kloster von São Gonçalo („Igreja de São Gonçalo“), beide Sehenswürdigkeiten sind als offizielle portugiesische Nationaldenkmäler klassifiziert. Zwei weitere lokale Barockklöster späterer Baujahre sind für Freunde sakraler Architektur ebenso empfehlenswert, so namentlich das im Jahr 1725 fertiggestellte „Igreja de São Domingos“ und das „Igreja de São Pedro“ von 1727. Nur wenige Gehminuten entfernt in der historischen Altstadt Amarantes liegt auch die bereits im frühen 16. Jahrhundert errichtete frühere Residenz der Grafen von Redondo „Casa da Calçada“, die seit 2003 als Luxushotel genutzt wird.

Zahlreiche Kirchen, Klöster, Kapellen und Herrenhäuser: Heimat bekannter Künstler

Zum geschützten nationalen Bauerbe Portugals („Património edificado“) vor Ort gehört auch die Ruine des ehemals großbürgerlichen Wohnhauses „Solar dos Magalhães“ aus dem 18. Jahrhundert, das 1809 von den französischen Invasionstruppen niedergebrannt wurde. Den gleichen Status genießt das einstige Geburts- und Wohnhaus des berühmten portugiesischen Schriftstellers und Sohnes der Stadt „Teixeira de Pascoaes“ (Joaquim Pereira Teixeira de Vasconcelos, 1871–1952). Die „Casa de Pascoaes“ beherbergt zusätzlich ein Museum samt Dauerausstellung zum Leben und Werk des Dichters. Ebenfalls mit dem Titel „Monumento Nacional“ in Amarante schmücken dürfen sich das Benediktinerkloster „Mosteiro de Travanca“ aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, das Gebäude der Stadtverwaltung samt Bibliothek „Antigos Paços do Concelho“ aus dem späten 16. Jahrhundert sowie die beiden kleinen Kapellen „Capela Santo António“ von 1644 und die „Capela de São Tiago e São Brás“ aus dem frühen 18. Jahrhundert in Vila Meã. Am südlichen Flussufer des Rio Tâmega wiederum liegt seit 1916 der sehenswerte und über 5 Hektar große Naturpark „Parque Florestal de Amarante“, in dem man die typische und vielfältige Fauna und Flora der „Sierra de Marão“ bewundern kann.

Pinien und Pisten, Granit und Glimmer, Dolmen und Gräber, Wein und Wolfram

Besonders charakteristisch für das gebirgige Gebiet der „Sierra de Marão“ am geografischen Übergang der beiden Regionen „Douro Litoral“ und „Alto Douro“ sind die zahllosen Pinien und die ausgedehnten Weinanbauflächen. In heißen und trockenen Sommern sind Waldbrände jedoch leider keine Seltenheit. Geologisch dominierend sind Granit und Glimmerschiefer, auch Bodenschätze wie etwa Wolfram wurden hier einst an vielen Stellen abgebaut. Noch immer im Betrieb ist beispielsweise eine Kalkgrube beim kleinen Ort Campanhó (Mondim de Basto). Die „Sierra de Marão“ wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit neuen Straßen erschlossen, bis heute ist die Gegend relativ dünn besiedelt. Ehrgeizige Infrastrukturprojekte wie vor allem die Verlängerung der Autobahn A4 zwischen Amarante und Vila Real bis nach Braganza und zur Grenze bei Quintanilha sollen die Region aber in Zukunft besser zugänglich machen. Geplant ist unter anderem einer der längsten Tunnel der Iberischen Halbinsel. Ganz im Nordosten der Provinz Porto und ebenfalls Teil des Landkreises Amarante ist auch die „Serra da Aboboreira“ mit ihren weitläufigen Hochebenen in bis zu knapp 1000 Meter Höhe, die bedeutendsten Gipfel sind Abogalheira, Meninas und Senhora da Guia. Dieses Gebiet war schon im Neolithikum menschlicher Siedlungsraum, Zeuge davon geben zum Beispiel die Dolmen und Grabanlagen von „Chão de Parada“.

Amarante

Amarante ©iStockphoto/homydesign

Wanderweg und Badeanstalt am Fluss, Golf- und Campingplatz in der freien Natur

Ein eher nüchternes Bild gibt an vielen Stellen hingegen der schon erwähnte Fluss Tâmega ab, der sowohl die beiden Sierras als auch Amarante durchquert. Der 145 km lange nördliche Nebenfluss des Douro wurde in der Vergangenheit auf seinem Weg von Verín in der spanischen Provinz Ourense in Galicien bis nach Entre-os-Rios östlich von Porto massiv von Menschenhand begradigt, zahlreiche Kies- und Sandabbauwerke sorgen darüber hinaus für schwere Verschmutzungen. Als schönster Abschnitt gilt noch das fruchtbare Veigatal im Grenzgebiet zwischen Verín und Chaves. Einen Abstecher wert ist auch der 10 Kilometer lange Wanderweg „Ecopista“ auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke zwischen Amarante und Chapa parallel zum Fluss. Um die Stadt Amarante herum finden Urlauber noch viele weitere Ausflugs- und Freizeitmöglichkeiten sowie schön gelegene Unterkünfte, ein beliebtes Ziel etwa für Campingfreunde ist der „Parque de Campismo de Penedo da Rainha“ im Norden von Amarante. Bei Besuchern wie Einheimischen gleichermaßen besonders im Hochsommer sehr populär ist die Flussbadeanstalt „Praia Fluvial de Larim“ in Gondar östlich der Stadt. Schon seit 15 Jahren kühlen sich die Badegäste aus nah und fern gerne im sauberen Wasser des Rio Carneiro ab. Nur wenige Kilometer westlich liegt der moderne, gepflegte und großzügige Golfplatz „Golfe De Amarante“ in Quinta da Deveza, dort gibt es eine Golfschule sowie ein Restaurant samt Bar, regelmäßig werden auch Turniere veranstaltet.

Auch für Archäologen sind Amarante und Umgebung einen Abstecher wert

Auch in den 40 weiteren und zumeist kleineren Gemeinden („Freguesias“) des Landkreises Amarante warten zahlreiche Sehenswürdigkeiten unterschiedlicher Art auf interessierte Gäste und Besucher, vorrangig sowie in großer Auswahl zumeist Kirchen, Kapellen, Klöster und vergleichbare religiös inspirierte Bauwerke. Klein und fein präsentiert sich etwa die Pfarrkirche von Aboadela, dort kann man auch eine römische Brücke bewundern. In Ataíde (Real) kann man die beiden kleinen Kapellen „Capela da Feira“ und „Capela de Pinheiro (Nossa Senhora da Natividade)“ besichtigen. Die Gemeinde Fregim mit ihren aktuell knapp 3000 Einwohnern war einst im Besitz des Malteserordens, heute wird sie vor allem wegen ihrer vielen Fabriken sowie der Hallen- und Freibäder im Sportzentrum „RTA“ oft besucht. In Freixo de Baixo ziehen das architektonisch gelungene Kloster „Igreja do Salvador“ sowie die ehemaligen Adelsresidenzen „Casa de Alvelos“ und „Casa da Faia“ die Gäste an, durch Gatão verläuft die Ferienstraße „Rota dos vinhos verdes“. Gondar ist für sein romanisches Kloster aus dem 12. Jahrhundert bekannt, im benachbarten Jazente steht das Kloster „Igreja de Santa Maria“. Lomba in nur 4 Kilometer Entfernung von Amarante ist Archäologen aufgrund der Ausgrabungsstätte „Estação arqueológica de Penedo da Moura“ ein Begriff, in Lufrei steht die kleine Kirche „São Salvador“.

Fröhliche Volksfeste das ganze Jahr über, Kunsthandwerk und Körperertüchtigung

Mancelos wird meist wegen seiner Kirche „Igreja de São Martinho“ besucht, dort befindet sich auch das Haus des postmodernen portugiesischen Malers Amadeo de Souza-Cardoso (1887–1918), der durch die Heirat mit dessen Nichte mit dem berühmten katalanischen Architekten Antoni Gaudí verwandt war. Oliveira hat aufgrund seines aktiven Sportklubs „Grupo Coral Desportivo e Recreativo dos Estrelas da Paz“ und dessen Jugendarbeit einen guten Namen in der Gegend, in Olo steht die Kirche „Igreja Matriz“ mit ihrem ungewöhnlich gerundeten Giebel an der Fassade. Im gleichen Ort befindet sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts auch ein modernes Kraftwerk. Padronelo ist häufig Ziel im Rahmen von Geocoaching-Touren, malerisch präsentiert sich dort die Ruine der Festung „Paço de Dona Loba“ aus dem 12. Jahrhundert. Real (Amarante) weist ein weiteres Flussbad sowie diverse kleine Kapellen auf, die Gemeinde Santiago de Figueiró mit ihren ca. 2500 Einwohnern ist Partnerstadt von La Rochelle in Frankreich. São Simão de Gouveia mit seinen lediglich etwa 650 Einwohnern gilt als Zentrum des regionalen Kunsthandwerks, außerdem findet man dort die drei schönen Kapellen Ermida de Senhora do Campo, Ermida de São Domingos und Ermida de São Martinho. Bekannt ist das kleine Dorf auch für seine farbenfrohen und fröhlichen Feste São Martinho (November), São Simão (Oktober), Senhora do Campo (Juli) und São Domingos (Mai).

Frische Forellen aus dem Fluss und süßes Gebäck frisch aus dem Backofen

In Telões (Amarante) im Norden des Landkreises steht die Kirche Igreja de Santo André, in Travanca (Amarante) kann man das weiter oben schon erwähnte Benediktinerkloster „Mosteiro de Travanca aus dem 12. Jahrhundert besichtigen. Vila Caiz im Südwesten ist ein ruhiger kleiner Ort mit 3000 Einwohnern und schönen alten Häusern, in Vila Chã do Marão locken die römischen Gräber und die Kapellen des Santo António und S. Bento. Vila Garcia (Amarante) schließlich verfügt über gut 800 Einwohner und ist für sein prächtiges Herrenhaus „Solar de Vila Garcia (Solar de Igreja)“ überregional bekannt. Besonders für Naturfreunde empfehlenswert ist das Tal von Ansiães mit dem Fluss Ovelha, nach einer langen Wanderung durch die umliegenden Wälder schmecken die Forellen aus den lokalen Gewässerfarmen natürlich ganz besonders gut. Nicht weit entfernt liegt mit der „Pousada de S. Gonçalo“ eine der schönsten regionalen Unterkünfte mit einer atemberaubenden Fernsicht auf die Berge der Umgebung. Dort, wie auch im gesamten Landkreis kann man auch bestens die typischen Spezialitäten der Gegend genießen. Besonders bekannt ist die Region Amarante zum Beispiel für ihre schmackhaften und raffiniert zubereiteten Süßspeisen und Gebäcksorten. Zu den beliebtesten Leckereien gehören die „Papos de anjo“, die „Brisas do Tâmega“, der „Toucinho do céu“, die „Galhofas“ und vor allem die wie ein Phallus geformten „Bolos de São Gonçalo“, die in ganz Portugal sofort mit Amarante assoziiert werden.